05 Oct

Spinnende Bücher: Wie das Schweizer Buchverlagshaus Bookyspinz die Schweizer Buchkultur neu definiert

Die Schweiz ist ein Land der Bücher – doch während die Buchhandelsketten wie die Buchhandlung Thalia oder die traditionellen Buchläden in den letzten Jahren unter Druck geraten, zeigt sich ein kleines, aber dynamisches Buchverlagshaus mit einer ungewöhnlichen Strategie: https://bookyspinz.ch/. Seit seinem Start 2019 hat sich das Unternehmen als Plattform für experimentelle Literatur, digitale Formate und internationale Kooperationen etabliert. Doch was macht Bookyspinz so besonders? Und wie gelingt es, in einer Zeit des Wandels der Buchbranche nachhaltig zu bestehen?

Bookyspinz positioniert sich bewusst als Gegenentwurf zu den etablierten Verlagen. Statt sich auf klassische Printprodukte zu konzentrieren, setzt das Unternehmen auf eine Mischung aus physischen Büchern, digitalen Formaten und interaktiven Projekten. Besonders auffällig ist die Zusammenarbeit mit unabhängigen Autor:innen und Künstler:innen, die oftmals marginalisierte Stimmen in der Literaturlandschaft vertreten. Ein Beispiel hierfür ist die Serie „Bücher als Skulpturen“, bei der Bücher nicht nur gelesen, sondern auch als dreidimensionale Installationen präsentiert werden. Diese Ansätze zeigen, wie Buchverlage heute kreativ mit neuen Medien umgehen müssen, um nicht nur die Leserschaft zu erreichen, sondern auch die kulturelle Relevanz zu bewahren.

Ein zentraler Faktor für den Erfolg von Bookyspinz ist die enge Vernetzung mit anderen Schweizer Verlagen und Kulturinstitutionen. Das Unternehmen arbeitet mit Bibliotheken, Festivals und Kunstprojekten zusammen, um Bücher nicht nur als Produkte, sondern als Teil eines lebendigen kulturellen Ökosystems zu inszenieren. Ein konkretes Beispiel ist die Kooperation mit dem Zürcher Literaturhaus, wo Bookyspinz regelmäßig Lesungen und Diskussionen mit Autor:innen aus der Schweiz und dem Ausland anbietet. Diese Form der Vernetzung stärkt nicht nur die Sichtbarkeit der Verlage, sondern schafft auch neue Zielgruppen – etwa junge Leser:innen, die über digitale Formate und interaktive Formate an die Bücher herankommen.

Doch Bookyspinz geht noch einen Schritt weiter: Das Verlagshaus setzt auf nachhaltige Produktion und digitale Innovation. Viele Bücher werden als E-Books oder als „Smart Books“ mit integrierten Sensoren und QR-Codes angeboten, die zusätzliche Inhalte freischalten. Diese Strategie ist nicht nur zukunftsweisend, sondern auch umweltfreundlicher als klassische Printprodukte. Laut eigenen Angaben reduziert Bookyspinz den CO₂-Ausstoß pro verkaufter Einheit um bis zu 40 Prozent im Vergleich zu traditionellen Verlagen. Solche Initiativen zeigen, wie Buchverlage heute nicht nur wirtschaftlich, sondern auch ökologisch verantwortungsvoll handeln können.

Ein weiterer Treiber für Bookyspinz ist die internationale Ausrichtung. Das Verlagshaus arbeitet eng mit Verlagen in Europa, Nordamerika und Asien zusammen und veröffentlicht Übersetzungen von Literatur aus dem Englischen, Französischen und Japanischen. Besonders erfolgreich ist die Serie „Bücher als Dialog“, bei der Bücher in verschiedenen Sprachen gleichzeitig erscheinen und Leser:innen dazu einladen, zwischen den Kulturen zu reisen. Ein aktuelles Projekt, das gerade in den Druck geht, ist die Zusammenarbeit mit einem japanischen Verlag, bei der ein klassisches Schweizer Märchen in Form eines „Hybrid-Buchs“ neu interpretiert wird – mit Illustrationen, die sich je nach Blickwinkel verändern.

Trotz dieser innovativen Ansätze bleibt Bookyspinz ein kleines Unternehmen mit einem klaren Fokus: Es will die Schweizer Buchkultur bereichern, ohne sich in der Masse der großen Verlage verlieren zu lassen. Während andere Verlage auf Massenware setzen, konzentriert sich Bookyspinz auf hochwertige Literatur, die Neugier weckt und neue Leser:innen anspricht. Die Frage ist nun: Kann ein Verlag wie Bookyspinz den Wandel der Buchbranche vorantreiben – oder bleibt er nur ein Nischenprodukt? Die Antwort liegt vielleicht darin, wie gut er gelingt, Bücher nicht nur zu verkaufen, sondern sie als lebendige, interaktive und kulturell relevante Objekte zu gestalten.

  • Seit 2019 veröffentlicht Bookyspinz Bücher in einer Mischung aus Print, E-Book und interaktiven Formaten.
  • Durch Kooperationen mit Kunstinstitutionen und Bibliotheken erreicht das Verlagshaus eine breitere Zielgruppe und stärkt die kulturelle Vernetzung.
  • Bookyspinz reduziert den CO₂-Ausstoß pro verkaufte Einheit um bis zu 40 Prozent durch nachhaltige Produktion.
  • Das Verlagshaus arbeitet mit Verlagen in über zehn Ländern zusammen und veröffentlicht Übersetzungen aus dem Englischen, Französischen und Japanischen.
  • Ein neues Projekt kombiniert ein Schweizer Märchen mit japanischen Illustrationen, die sich je nach Blickwinkel verändern.